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04. Dezember 2018

"Effektiver lesen, lernen, lehren" FAU-Wissenschaftler erforscht studentisches Leseverhalten im digitalen Zeitalter

Aus der Pressemitteilung von Dr. Susanne Langer,  Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg: "Richtig studieren will gelernt sein – gerade dann, wenn Studierende sich wissenschaftliche Texte erarbeiten.  ... Längere Texte sind zentrale Quellen, um Wissen zu erschließen und sich zu bilden. Das Wichtige eines wissenschaftlichen Textes erkennen, Zusammenhänge herstellen, Gelesenes und dessen Bedeutung im Rahmen weiterer Texte einordnen und bewerten sowie Schlussfolgerungen ziehen – dies ist elementar für die Hochschulbildung.
Doch sowohl Hochschuldozenten als auch Studierende erfahren gegenwärtig eine Diskrepanz zwischen dem im Alltag erlernten Lesen und den Anforderungen der Hochschullehre, also etwa hochschulrelevanter Lesekompetenzen und Schlüsselqualifikationen.

Jüngere Generationen erlernen beispielsweise intensiver Leseweisen, welche auf das Suchen von Informationen oder den schnellen Überblick von Textinhalten ausgelegt sind. Die Informationen, die so zum Beispiel schnell aus den Tiefen des Internets hervorgeholt werden können, sind aber nicht identisch mit dem durch Lesen erlernten Wissen, das zukünftige Akademiker auszeichnet.

Das Lesen neu erlernen
Wie mit dieser Veränderung umzugehen ist, erforscht Dr. Axel Kuhn in Kooperation mit Dr. Christian Fritz-Hofmann, Experte für sozialwissenschaftliche Fachdidaktik an der Universität Oldenburg. „In dem zweisemestrigen Lehrforschungsprojekt wollen wir den Studierenden vor allem ermöglichen, dass sie ihr Leseverhalten selbst reflektieren“, sagt Kuhn, „denn Studierende müssen das Lesen an der Hochschule oft neu erlernen.“

Entsprechend den heutigen Mediennutzungsgewohnheiten der Studierenden, Inhalte digital abzurufen und hochzuladen, nutzen die Forscher hierzu – erstmalig in der Hochschullehre – das digitale Werkzeug „Reader Analytics“.
Bislang kam dies nur in der Privatwirtschaft, zum Beispiel in Verlagshäusern, zum Einsatz.
Mit Hilfe zur Verfügung gestellter mobiler Lesegeräte und entsprechender Software werden das studentische Leseverhalten und Leseprozesse detailliert erfasst: Zu welchen Uhrzeiten und an welchen Orten beziehungsweise in welchen Situationen lesen die Studierenden die Texte für das Studium? An welchen Stellen unterbrechen sie die Lektüre, verharren sie besonderes lange oder überspringen Textteile? Wie und was markieren oder kommentieren sie wann? Und letztlich: Welche Konsequenzen hat das jeweilige Leseverhalten auf das Textverstehen?

Innovatives Coaching-Konzept
Als weiterer Schritt ist die Konzeption eines Coaching-Konzepts für Studierende vorgesehen. „Die Studierenden lernen, wie man für die Hochschule liest, wie man das dortige Lesen plant, mit ihm umgeht, und es über Reader Analytics evaluiert und kontrolliert“, erklärt Kuhn. Zum Konzept gehört unter anderem das Grundlagenwissen über die Datenschutz-Grundverordnung und die im Grundgesetz verankerten Persönlichkeitsrechte.
In dem interdisziplinären Projekt „Reader Analytics als lernstrategisches Werkzeug der kritischen Reflektion des eigenen Leseverhaltens im Studium“ fließt Wissen aus verschiedenen Bereichen ein: Fachdidaktik, Leseforschung, Hochschuldidaktik und Informatik. „Studierende sollen in die Lage versetzt werden, ihr Leseverhalten ohne fremde Kontrollmechanismen selbst besser einschätzen und evaluieren zu können“, sagt Kuhn. Des Weiteren sollen konkrete Werkzeuge für die selbstständige Lesekompetenzentwicklung vermittelt werden. Nach Projektabschluss soll das Anwendungsszenario in
Wahlpflichtveranstaltungen zu Beginn des Bachelorstudiums implementiert werden.

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